Kräuterbuschen binden

Eine kleine Anleitung für den Maria Himmelfahrtstrauß

In vielen Dörfern Österreichs, vor allem im alpinen Bereich, wird das Brauchtum der Kräuterweihe noch gepflegt. Zu Maria Himmelfahrt am 15. August werden herrliche Kräuterbuschen gesegnet.

Die Wurzeln der Kräuterweihe reichen weit in die Urzeit zurück. Zuerst wurden mit den Kräuterbuschen wahrscheinlich ein Natur- und Erntedankfeste zu Ehren verschiedener Götter gefeiert. Der Überlieferung nach konnten die Kräuterbündel bei  Berührung die fruchtbarkeitsspendende und heilende Kraft der Vegetation auf die Menschen übertragen.

In der heutigen Zeit sind sie jedoch vielmehr als eine Art traditionelle Winterapotheke zu sehen. In diesen Buschen kommen verschiedene Kräuter, die einen farbenprächtigen und würzig duftenden Strauß ergeben. Helfen sollten die geweihten Kräuter besonders in Form einer Teezubereitung als Heilmittel und als Räucherwerk, welches über das ganze Jahr hindurch verwendet werden kann.

WP_20170815_17_18_10_ProJe nach Region werden unterschiedliche Kräuter in den Buschen geflochten – zumeist vertreten sind jedoch Königskerze, Johanniskraut, Thymian, Salbei, Beifuß, Frauenmantel und Schafgarbe. Aber es können weitere Kräuter wie Dost, Ringelblume, Holunder, Melisse, Lavendel, Kamille, Wermut, Rainfarn, Baldrian, Thymian, Minze, Liebstöckl, Pfefferminze,  Eisenkraut und Majoran,… dazu gegeben werden. Vorranging werden Heil- und Räucherkräuter der jeweiligen Region verwendet. Es spricht jedoch nichts dagegen auch Gewürzkräuter, welche kulinarisch verwendet werden können, einzubinden.

Und so geht’s: Man startet mit einem Mittelpunkt am besten einer Königskerze und bindet die anderen Kräuter, entsprechend Ihrer Größe rund um diese Mitte. Wenn das Ergebnis nicht nach einem Strauß vom Floristen aussieht, schmälert dies auf keinen Fall die Wirkung der Kräuter. 🙂 Wichtig: Es wäre jedoch günstig, dass man auch einzelne Kräuter für die Verwendung das ganz Jahr hindurch herausziehen kann.

Bei der Anzahl der verwendeten Kräuter im Kräuterbuschen handelt es sich stets um Zahlen mit Symbolkraft. Für den Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt wird zumeist eine der folgenden Zahlen (oder ein Vielfaches derselben) zugrunde gelegt:

  • 7: Zahl der Wochentage (Schöpfungstage), Zahl der Vollendung (über 600 Nennungen in der Bibel)
  • 9: Drei mal drei für die heilige Dreifaltigkeit, Zahl der Fruchtbarkeit
  • 12: Zahl der Apostel, Zahl der Stämme Israels
  • 14: Zahl der Nothelfer
  • 24: Zwei mal zwölf für die Stämme Israels aus dem Alten Testament, die zwölf Apostel aus dem neuen Testament
  • 72: Sechs mal zwölf für die Apostel
  • 99: Dreiunddreißig mal drei für die heilige Dreifaltigkeit

Quellenangabe der Zahlensymbolik: www.dioezese-linz.at

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Mit dem 15. August beginnt auch der sogenannte Frauendreißiger. Kräuter haben 30 Tage lang eine ganz besondere Heilkraft, so dass in dieser Zeit deren Haupterntezeit, neben den Sonnenkräutern (welche um Johannis geernet werden), liegt. Also raus in Natur, Kräuter sammeln und Kräuterbuschen binden. Wer weiß wofür man die Kräuter  in den kommenden Monaten gebrauchen kann. Eine schöne Dekoration sind sie auf jeden Fall.

Hier mein Ergebnis:

Verwendet wurden: Königskerze, Beifuß, Schafgarbe, Salbei, Eibisch, Rainfarn, Apfelminze, Dost, Goldrute, Bibernelle, Odermening und Malve

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Eine Antwort zu “Kräuterbuschen binden

  1. Hallo, Ich war heute in Aspern bei deinem Mittelalter Kräuterkurs, den mir meine Tochter zum Geburtstag geschenkt hat. Danke für den Interessanten Vortrag, er war sehr interessant und ich hab wieder einiges dazugelernt.Ich hab versprochen dir meine Blogadresse zu schicken. http://mariasstickereien.blogspot.co.at/ würde mich freuen wenn einmal vorbeischaust.
    Liebe Grüße Maria Koch

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