Phänologie – Die 10 Jahreszeiten

Im Unterschied zu den Jahrzeiten des Kalenders sind die phänologischen Jahreszeiten nicht auf den Tag genau festgelegt, sondern sind abhängig von den Entwicklungen in der Natur und diese ändern sich Jahr für Jahr.

Als Begründer der Phänologie gilt der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné (1707–1778). Er schuf nicht nur die moderne Systematik für Pflanzen und Tiere, er erstellte auch einen Blütezeitenkalender auf Basis von phänologischen Beobachtungen. 1851 wurde in Wien die Centralanstalt für Meteorologie Erdmagnetismus (heute: ZAMG Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) gegründet. Mit Ihr starteten auch die ersten Aufzeichnungen über phänologische Ereignisse in Österreich. Es wurde ein österreichweite phänologische Beobachtungsnetz angelegt welches mit einigen Unterbrechungen bis heute aktiv ist. Jeder der Lust hat kann gerne mitmachen. Hier geht’s zu meh Infos für Naturbeobachter. Die ZAMG freut sich über alle mitarbeiten wollen.

Das sind die 10 Jahreszeiten

Jeder phänologischen Jahreszeit werden bestimmten Zeigerpflanzen zugeordnet. Hier ist ein kleiner Überblick über die 10 Jahreszeiten des phänologischen Kalenders:

VorfrühlingDer Frühling vor dem Frühling.

Zeitlich dauert er ca. von Mitte Februar bis Ende März. Es ist die Zeit, wo die Tage deutlich länger werden und Phasen mit Temperaturen um 5-10° C nehmen zu. Schneefall und starke Fröste treten noch regelmässig auf. Viele Pflanzen beginnen zu wachsen – die Gehölze meist unauffällig, indem die Knospen schwellen. Schneeglöckchen und die Kätzchen der Haselbringen sind die klassischen Zeigerpflanzen des Vorfrühlings. (Achtung die Haselblüte ist sehr launisch und kann schon mitten im Winter auftreten.) Auch die Blüte des Huflattiches wäre ein Merkmal dafür, dass der Winter vorbei ist.

Erstfrühling Der Winter ist vorbei.

Kalte Nächte mit Temperaturen unter 5° C, abwechselnd mit mehr oder weniger warmen Tagen – oft Temperaturen zwischen 8-15° C – sind typische Wetterphänomene des Erstfrühlings. Zeitlich deckt er bei uns etwa den April ab. Er wird eingeläutet, wenn die Forsythie blüht und wenn die Stachelbeeren ihre Blätter entfalten. Besonders toll sind in dieser Jahreszeit die Blüten der Obstbäumen wie Kirsche, Marille und Schlehe. Es startet auch die Laubentfaltung von Birke und Buche.

VollfrühlingDer Höhepunkt der „Grünen Welle“.

Alles grünt und die Pflanzenentwicklung ist in vollem Gange. Leider können jedoch noch Fröste auftreten. Es ist die Zeit, wo sich das Blätterdach der sommergrünen Laubwälder schließt und viele Büsche blühen. Eingeleitet wird diese Jahreszeit durch die Blüte am Apfelbaum. Eine weitere typische Zeigerpflanze dieser Periode wäre die Blüte des Flieders und der Rosskastanie. Es beginnt auch die Laubentfaltung von Eiche und Hainbuche.

FrühsommerDie längsten Tage im Jahr sind da.

Die Sonne steht im Zenit und viele Pflanzen befinden sich in ihrer Hauptwachstumsphase. Meist die der Juni die Zeit des Frühsommers. Es ist die Hochsaison der Blüten auf den Wiesen und den Getreidefeldern. Bei den Frühblühern wachsen schon die Früchte heran. Der Schwarze Holunder und die Robinie blühen. Die Pfingstrose ist eine klassische Zeigerpflanze. An ihrer Blüte lässt sich der phänologische Frühsommer ablesen. In diese Zeit fällt auch die erste Heuernte und die Imker schleudern nach der Raps- oder Robinienblüte den Blütenhonig (Frühtracht)

Hochsommer Die Zeit der hohen Temperaturen

In dieser heißen Zeit blüht die Sommerlinde und reifen die Johannisbeeren heran. Jetzt wird auch mit der Getreideernte begonnen. Die Temperaturen nehmen weiter zu und werden für viele Pflanzen zur Herausforderung: die optimalen Wachstumsbedingungen sind vorbei, außer vielleicht in den Bergen.

SpätsommerDer Start der Früchtesaison

Die Tage werden wieder merklich kürzer und dies ist ein zuverlässiger Taktgeber für die Pflanzen, sich vom Wachstumsmodus endgültig dem Speichermodus, resp. dem (Über-)Lebensmodus zuzuwenden. Dazu gehören reife Früchte. Phänologische Beobachtungsklassiker sind die frühreifen Apfelsorten (Klaraapfel, Gravensteiner) Auch die Vogelbeere erreicht die Fruchtreife. Winterroggen und Winterweizen werden jetzt geerntet und die zweite Heumahd findet statt.

FrühherbstDie Tag- und Nachlänge gleicht sich wieder an.

Die große Mehrheit der Pflanzen hat das Wachstum eingestellt. Dafür reifen die Früchte, die individuellen Speicherorgane werden gefüllt (Wurzelorgane, Rhizome, Stämme, Äste) und die Überwinterungsorgane v.a. Knospen geschützt. Jetzt start die Ernte von schwarzem Holler und der Dirndel.

VollherbstDie Hochsaison für die Blattverfärbung

Wenn die ersten Rosskastanien und Eicheln reif vom Baum fallen, befinden wir uns im Vollherbst. Die Obsternte (auch die Kartoffelernte) wird jetzt noch abgeschlossen. Wir könnten 24 Stunden am Tag draußen sein und es würde uns nie langweilig. Die Bäume spielen verrückt. Aus dem Sommergrün tauchen überall Lichtfarben auf: glühendes Gelb, feuriges Rot, sattes Braun.

SpätherbstNun gibt es kein zurück

Es ist die Zeit des allgemeinen Laubfalls und Abschluss der Vegetationszeit. Die bunten Wälder verlieren langsam ihre Glut und werden wieder durchsichtig. Der Laubwaldboden füllt sich mit raschelnden Blättern. Wenn die Eberesche ihre Blätter fallen lässt, beginnt der Spätherbst. Das Wintergetreide geht auf und schon bald kommt die Vegetation zur Ruhe.

WinterDie Hochsaison für die Blattverfärbung

Mehr oder weniger heftig bringt der Winter Ruhe in die Vegetation. Manchmal noch bedeutet das Schnee und Frost. In den letzten Jahren ist es meistens nur noch nass und kalt. Der Nadelfall der Lärche markiert den Start des phänologischen Winters. Und ist es ein, zwei Wochen außergewöhnlich warm und dann ein paar Tage trocken, blüht auch schon wieder der Haselstrauch.

Phänologie und Klimawandel

Die Phänologie ist wichtigerer denn je, denn die Ergebnisse der phänologischen Beobachter bestätigen die Prognosen der Klimaforscher: Der Frühling fängt immer zeitiger an, der Herbst dauert länger. Die Ergebnisse  phänologischer Beobachtungen in Österreich bis ins Jahr 1946 zurück findet man Phänologie-Spiegel der ZAMG.

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